
Die Zeit als die Araber in Spanien lebten war geprägt von kultureller Blüte einerseits, von Gewalt andererseits.
"Es war ein militärischer Spaziergang, als der berberische Feldherr Tariq 711 nach Spanien übersetzte und die Herrschaft der Westgoten beendete. Die Stelle, an der Tariq gelandet war, wurde fortan Berg des Tariq genannt. Auf Arabisch Gabal Tariq - Gibraltar. Spanien war islamisch geworden.
Mitte des 8. Jahrhunderts entkam der Umayade Abderrahman der abbasidischen Revolution in seiner Heimt (heute Syrien und Irak) und floh nach Spanien, wo er die Umayaden-Dynastie fortsetzte.
Von diesem Zeitpunkt an wurde al-Andalus, wie die Araber zu Spanien sagten, zum wichtigsten Land des westlichen Islam und Cordoba zum zweiten Pol der islamischen Kultur neben Bagadad.
Überhaupt Cordoba: Mitte des zehnten Jahrhunderts die grösste Stadt Europas: 113.000 Wohnhäuser, 600 Moscheen, 300 Bäder, 50 Hospitäler, 80 öffentliche Schulen, 17 Hochschulen, Orientalisten sprechen vom goldenen Zeitalter des Islam auf spanischem Boden.
Die Bevölkerung bestand aus Arabern, die vor allem in den Städten saßen, und berbern, die sich bevorzugt in den Bergen niederließen. In der einheimischen Bevölkerung, der Mehrheit, waren die Unterschiede zwischen Westgoten, Sueben und Iberern verschwunden.
Viele konvertierten zum Islam. Die Nachkommen stammten oft aus Mischehen und waren im 10. Jahrhundert von den Muslimen arabischer Herkunft nicht mehr zu unterscheiden.

Im Umkreis der Hauptstadt Toledo waren viele Einheimische dem Christentum treu geblieben. Die spanischen Christen erfuhren noch mehr Toleranz als die Christen im östlichen Machtbereich des Islam.
Oft lebten sie in zwei Sprachen und Kulturen. Diese sogenannten Mozaraber spielten eine große Rolle als kulturelle Mittler zwischen Spanien und dem restlichen Europa.
An der Spitze des islamischen Spanien stand ein Herrscher, der bis Anfang des 10. Jh. den Titel Emir (Führer) trug. Zwar erkannte er das Kalifiat der Abbasiden in Bagdad nicht an, er vermied es aber, die Ablehnung offen zu proklamieren.
Als sich in Maghreb die Fatmiden erhoben und ihrerseits mit dem Anspruch auf das Kalifat antraten, nahm auch der Herrscher über Spanien diesen Titel an. 929 vollzug Abderrahman III, der mächtigste Vertreter dieser Dynastie, diesen Schritt.

Als die Umayaden 1031 abtraten, zerfiel Spanien in eine Vielzahl lokaler Fürstentümer. Wie im islamischen Osten bedeutete die Zersplitterung jedoch nicht das Ende, sondern nur eine grössere Streuung des kulturellen Lebens: Neben Cordoba kamen die geistigen Zentren Sevilla, Granada, Valencia hinzu.
Die Widerstndskraft der Fürstentümer war gering. Als der christliche Westen erwachte, nutzte er die Situation und startete die Reconquista. Die Muslime riefen daher Ende des 11. Jh. fremde Beschützer ins Land: die Almoraviden aus dem heutigen Marokko.
Mit ihnen zog ein Geist der Intoleranz ein. Diese Dynastie wurde Ende des 12. Jh. von den Almohaden abgelöst. Gegten Nichtmuslime waren sie kaum toleranter als ihre Vorgänger. Der jüdische Gelehrte Maimonides wanderte in den Orient aus.
Die Schlacht von Las Navas de Tolossas 1212 leitete die endgültige Rückeroberung ein. Doch gerade die Zeit, bevor Spanien wieder an den christlichen Kulturkreis fiel, war einer der Höhepunkte islamischer Kutlur.
Der Philosoph Averroes aus Cordoba etwa - nur ein Name, der dafür stand. Dessen Aristoteles - Kommentare fanden in lateinischer Übersetzung ab dem 13. Jahrhundert grosse Verbreitung. Mit ihm begann das christliche Abendland, denken zu lernen.

In der Architektur setzten die Nasriden in Granada noch ein Glanzlicht: die Alhambra (die Rote), das berühmteste Bauwerk des mittlelalterlichen Islam. Quasi ein Abgesang auf eine fast 800-jährige Geschichte. Am 2. Januar 1492 fiel auch dieses letzte kleine islamische Königreich.
Den Schlusstrich unter die islamische Geschichte auf spanischem Boden zog König Phillipp III. Per Dekret wurden 1609 die Morisken, die muslmische Minderheit, des Landes verwiesen. 273.000 traten den Exodus an. Über Gibraltar."
Quelle: Madrid-tl.
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